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Sekt
Prickelnder Genuss
Mit Silvester verbindet ihn jeder: den Sekt. Punkt Mitternacht wird mit einem Gläschen auf das neue Jahr angestoßen. Aber auch sonst gehört das prickelnde, perlende Getränk zu jedem Anlass, an dem es etwas Besonderes zu feiern gilt.
Lesen Sie hier, wie der Sekt zu seinem Namen kam, alles über seine Geschichte, etwas über die goldenen Regeln des Sekttrinkens oder schlagen Sie unbekannte Begriffe im Sektlexikon nach, indem Sie jeweils auf den nächsten Bildausschnitt klicken.
"Bring er mir Sect, Schurke!"

Ob Geburtstag, bestandene Prüfung, Schiffstaufe oder Lotto-Gewinn: Erst wenn die Korken knallen, ist die Feier perfekt. Im Sekt findet die Freude ihren besonderen Ausdruck, das kennt jeder. Aber hätten Sie gewusst, dass wir diesen Genuss auch ein Stück weit dem guten, alten Shakespeare zu verdanken haben?
Der ist nämlich nicht unwesentlich an der Namensgebung des deutschen Schaumweines und seinem späteren Siegeszug in Deutschland beteiligt. Und das kam so: Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts hieß in den deutschsprachigen Ländern noch jeder schäumende Wein ohne Rücksicht auf Herkunft und Herstellungsverfahren Champagner.
Ein Szenegetränk für Schöngeister, die sich gern in der Berliner Weinstube "Lutter und Wegner" am Gendarmenmarkt trafen. Und hier sorgte der berühmte Hofschauspieler Ludwig Devrient, der noch immer auf dem Etikett des Sektes dieser Marke verewigt ist, für die entscheidende Umbenennung.
Als er nämlich gegenüber am Schauspielhaus den versoffenen Falstaff in Heinrich IV. von Shakespeare gab, musste er laut Textvorlage immer wieder nach "Sack" verlangen - einer damals in England gängigen Bezeichnung für trockenen (seco) Wein aus Spanien. Das hieß in der deutschen Übersetzung von August-Wilhelm Schlegel: nach "Sect" brüllen.
Als Devrient eines Abends - noch voll in seiner Rolle - in die Weinstube eilte und "Bring er mir Sect, Schurke!" brüllte, reichte ihm der Kellner in stillem Einverständnis mit der missbräuchlichen Bestellform den sonst so gern getrunkenen Champagner. Und schon war der Name geprägt.
Was im Folgenden den Siegeszug des Sekts in den deutschen Trinkgewohnheiten einläutete.
Die Geschichte des Sektes

Der Siegeszug des Sektes war nach dem unfreiwillig durch Hofschauspieler Devrient kreierten Namen kaum mehr aufzuhalten.
1833 begann Johann Friedrich Deinhard mit der Herstellung seines Sektes, C.A. Kupferberg folgte 1850 und Adam Henkell nahm 1856 die Produktion auf.
Champagner oder Schaumwein gibt es allerdings schon etwas länger. Die Entdeckung der Tatsache, dass Wein in wärmeren Jahreszeiten gern ein "zweites Leben" aufnahm, weil Restzucker und natürliche Hefen eine weitere Gärung in Gang setzten, fand schon um 1540 erste Erwähnungen.
Etwa um diese Zeit gelang es den - meist klösterlichen - Kellermeistern auch erst, Flaschen mit Korken zu verschließen, so dass das schäumende Gut überhaupt transportiert und aufbewahrt werden konnte. Und dann begann die Zeit des Probierens, Kultivierens und Komponierens verschiedener Rebsorten bis hin zum prickelnden Champagner.
Für diesen wird allen voran immer wieder der Benediktiner-Mönch Dom Pérignon als Ur-Vater ins Spiel gebracht. Was Fachleute allerdings bestreiten. Er soll es lediglich besonders kunstvoll verstanden haben, verschiedene Rebsorten, Jahrgänge und Lagen zu verschneiden.
Transport und Lagerung des köstlichen Nasses waren indes noch lange eine ganz schön gefährliche Angelegenheit. Die anfangs noch mundgeblasenen Bouteillen hielten nämlich häufiger dem Druck von fünf bis sechs Bar nicht stand und platzten. Das wurde erst besser, als stabile Flaschen und Industriezucker entwickelt wurden. Letzterer nämlich hilft, eine kontrollierte zweite Gärung in Gang zu setzA?en.
Von den im 18. Jahrhundert erzeugten wenigen tausend Flaschen Sekt oder Champagner ist man mittlerweile weit entfernt. In keinem anderen Land der Erde wird mehr Sekt getrunken als in Deutschland. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 4,7 Litern gilt Deutschland als wichtigster Sektmarkt der Welt.
Goldene Regeln für Sekttrinker

Kein anderes Getränk wird so sehr mit Vergnügen, Geselligkeit und Partystimmung assoziiert wie Sekt. Damit dieser Schluck Lebensart richtig schmeckt, hier unsere Tipps für Genießer:
Die Wahl des Sektglases beeinflusst auch den Genuss. Am besten eignen sich schmale hohe Gläser. Werden diese zu zirka zwei Dritteln gefüllt, können sich in ihnen Mousseux (Perlen) und Bukett (Blume) am besten entfalten. Flache Sektschalen dagegen beeinträchtigen wegen der großen Oberfläche die Entwicklung der Perlen, die wiederum beim Zerplatzen die "Blume" freigeben. Da Spülmittel die Perlbildung gar ganz verhindert, sollten Sektgläser immer zuerst mit heißem und dann mit kaltem Wasser ausgespült und anschließend leicht mit einem feinen Tuch poliert werden.
Überschäumende Gläser sorgen zwar oft für Heiterkeit, manchmal aber auch für Entsetzen. Dem kann man vorbeugen, indem man beim ersten Einschenken den Sekt absichtlich bis zum Glasrand aufschäumen lässt. Hat sich der Schaum wieder gesetzt, kann langsam nachgeschenkt werden. Blume und Mousseux entwickeln sich in dem nun angefeuchteteA?n Glas sehr gleichmäßig.
Auf keinen Fall darf die Flasche vor dem Öffnen kräftig geschüttelt werden, damit der Korken richtig knallt. Auch wenn es noch so viel Spaß macht, echte Genießer verzichten darauf, da durch das Schütteln anschließend zu viel Kohlensäure entweicht. Folge: Der Sekt verliert genau das, was ihn so beliebt macht - das Prickeln.
Im Gegensatz zu Wein sollte Sekt nie lange und am besten immer stehend, lichtgeschützt und ohne große Temperaturschwankungen gelagert werden. Um Sekt auf Genusstemperatur zu bringen - ideal sind 6 bis 8 °C -, eignen sich mit Wasser und Eis gefüllte Sektkühler am besten. Darin hat Sekt nach zirka 20 Minuten die optimale Temperatur. Wer keinen hat, kann den Sekt auch einen Tag lang in den Kühlschrank stellen.
Wichtig ist, dass Sekt nie im Tiefkühlfach gekühlt wird, selbst dann nicht, wenn er schnell auf Trinktemperatur gebracht werden soll. Durch die zu niedrigen Temperaturen können sich Perlen und Bukett im Glas nicht richtig entfalten, und selbst der mit größter Sorgfalt ausgewählte Sekt verliert seinen einzigartigen Charakter.
Kleines ABC des Sektes

Mousseux, Bukett, Dosage? Wer Sekt sucht, wird oft mit Fremdworten überhäuft. Damit Sie wissen, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, hier unser kleines Sektlexikon.
Bukett: Bezeichnung für die aufsteigenden A? Geruchs- und Duftstoffe des Sektes oder der schäumenden Weine. Die geschulte Nase erkennt hier erhebliche Unterschiede, die sich zumeist aus den verwendeten Rebsorten, der Gärung oder der Lagerung ergeben.
Cuvée: Unter Cuvée wird die Kunst der Vermählung sich ergänzender Weine verstanden. Der erfahrene Kellermeister wählt Weine der unterschiedlichsten Rebsorten, Lagen und Jahrgänge aus, die sich im Geschmack und im Bukett gegenseitig bereichern. Hierbei muss er meisterhaft abschätzen, wie sich die verschiedenen Weine bei der anschließenden Entwicklung zum Sekt verhalten.
Deutscher Sekt: Aus deutschen Grundweinen hergestellter Sekt.
Dosage: Bei der Sektherstellung gibt es die Dosage gleich zweimal. Zuerst wird der Cuvée Zucker und Hefe (die Fülldosage) zugefügt, damit eine zweite Gärung möglich wird. Der dadurch entstehende Sekt ist herb, völlig zuckerfrei und wird mit der sogenannten "Versanddosage" harmonisch abgestimmt. Die genau bemessene Menge des in Wein gelösten Zuckers ist von der EU gesetzlich vorgeschrieben. Die Angaben in Gramm pro Liter: extra brut, extra herb (0 - 6 g/l), herb, brut (bis 15 g/l), extra dry, extra trocken (12 - 20 g/l), dry, trocken, sec, secco (17 - 35 g/l), medium dry, halbtrocken, demi-sec (33 - 50 g/l), sweet, mild, doux, dolce (über 50 g/l).
Gärung: Sekt entsteht durch die zweite Gärung des fertigen Weines. Dazu wird einer Weinmischung - der Cuvée - Zucker und Hefe in präzise bemessener Menge zugefügt. Die Hefe verwandelt den Zucker in Alkohol und Kohlensäure. Da diese mehrwöchige A? Gärung immer in geschlossenen Behältnissen stattfindet, kann die Kohlensäure nicht entweichen. Sie sorgt für das Perlenspiel im Glas.
Grundweine: Entscheidend für die Qualität des Sektes ist die Auswahl geeigneter Weine. Deutsche Sektkellereien verarbeiten hochwertige Grundweine aus den besten Weinanbaugebieten der Europäischen Union.
Mousseux: Das Perlenspiel schäumender Weine.
Moussierpunkt: Kleine Aufrauhung an der tiefsten Stelle des Kelches mancher Sektgläser, lässt den Sekt lebhafter perlen (moussieren).
Schaumwein: Gesetzlicher Oberbegriff für alle in der EU hergestellten schäumenden Weine. Steht lediglich Schaumwein auf dem Etikett, handelt es sich um die unterste Qualitätsstufe schäumender Weine. Erst Qualitätsschaumwein darf als Sekt bezeichnet werden. Der Mindestalkoholgehalt beträgt zehn Prozent. Die Gesamtlagerzeit muss sechs beziehungsweise neun Monate betragen.
Schaumweinsteuer: Wurde 1902 in Deutschland eingeführt und im Jahre 1982 auf zwei Mark pro 0,75-Liter-Flasche angehoben. Die Steuer wurde einst zum Aufbau der kaiserlichen Flotte benötigt.
Ihr Getränke Quelle - Team